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[ Autorenkalender ] Milos verpennte Ostern

Heute habe ich einen ganz besonderen Beitrag für euch, denn ich bin Teil eines Autoren - Osterkalenders und habe dafür eine kleine Geschichte geschrieben. 
Ich hoffe, ihr mögt Milo und Luki genauso sehr wie ich. Den Beitrag könnt ihr dort, wenn es soweit ist, also immer und immer wieder aufrufen.  

                         Milos verpennte Ostern 


Am Rande eines kleinen Dorfes lebten ein Hase namens Milo und seine Eltern. Versteckt zwischen Blumen und Grashalmen lag die Höhle, in dem seine Eltern ihn großgezogen hatten. Dieses Jahr war ein ganz besonderes Jahr für Milo, denn er durfte zum ersten Mal die Eier für die Kinder des Dorfes verstecken. Er und einige andere Hasen aus der Gegend waren dazu auserkoren worden.
Schon seit Tagen fieberte er darauf hin und konnte das Osterfest kaum noch erwarten. Auch heute lief er über die Wiesen und Felder, um das nahegelegene Dorf auszukundschaften. Er musste schließlich wissen, wo er die Eier verstecken konnte. In einem Vorgarten blieb er stehen. Vor ihm erstreckte sich ein steiniger Weg, der zum Haus führte. Sonnenblumen streckten sich hoch in den Himmel und über einem Bett mit Lavendel konnte Milo sogar ein paar Schmetterlinge entdecken. Kurz schloß er die Augen und reckte schnuppernd den Kopf in die Luft. Nicht nur der Duft der Blumen, sondern auch von Gebäck und Kuchen kroch ihm in die Nase. 
Am liebsten hätte er sich auch ein Stück stibitzt, aber er war nicht hier, um seinen Gelüsten nachzugeben. Er schüttelte kurz seinen Kopf und hoppelte anschließend weiter. Hinter dem Haus gab es noch eine viel größere Wiese, die zum Haus gehörte. Das Gras war hier viel höher und perfekt dafür geeignet, um die Eier oder andere Schätze zu verstecken. Mitten auf der grünen Fläche konnte er sogar einen Maulwurfshügel entdecken. Milo prägte sich alles haargenau ein, um am Abend vor dem Ostersonntag auch ja nichts zu vergessen.
Erst, als die Dämmerung über das Dorf hereinbrach, zog es ihn zurück nach Hause, wo er seiner Mutter aufgeregt von seinem Ausflug erzählte. Und davon, dass er sich schon genau überlegt hatte, an welchen Plätzen er die Eier und andere Kleinigkeiten verstecken wollte. Aufmerksam hörte seine Mutter ihm zu, während sich ein liebevolles Lächeln auf ihrem Gesicht bildete.
„Maro war genauso aufgeregt wie du, als er zum ersten Mal die Eier verteilen durfte“, ergriff sie schließlich das Wort. „Er wäre bestimmt stolz auf dich“, fügte sie murmelnd hinzu und strich Milo kurz mit der Pfote über den Kopf. Maro war zwei Jahre älter als er und im letzten Jahr plötzlich verschwunden. Milo und seine Eltern hatten überall nach ihm gesucht, aber ihn niemals wiedergefunden. Bei den Worten seiner Mutter schmiegte sich Milo direkt an ihre Pfote.

Später am Abend lag Milo in seiner kleinen Höhle, die als Bett fungierte. Er hatte die Augen geschlossen und träumte von all den Abenteuern, die noch auf ihn warteten. Nicht nur an Ostern, sondern auch an allen anderen Tagen im Jahr. Er freute sich auf den Sommer und auch auf den Herbst. Ja, sogar auf den Winter, auch wenn er ihre kleine und gemütliche Höhle dann nur selten verließ. Er schlief dann immer tief und fest und das sogar stundenlang. Erst, wenn ihn jemand anstupste und die aufgeregte Stimme seiner Mutter erklang, öffnete er wieder seine Augen. So wie jetzt auch. „Milo! Milo, wach auf!“ Er blinzelte träge und hob seinen Kopf. Vor ihm stand seine Mutter und sah ihn mit geweiteten Augen an. „Was schreist du denn so, Mama?”, murmelte er leise, während er sich mit einer Pfote über das Gesicht fuhr. „Das fragst du noch? Warum liegst du noch im Bett und bist nicht schon längst auf der Wiese?” 
„Auf der Wiese? Es ist doch noch Zeit?”, antwortete er und setzte sich auf die Hinterbeine.                          “Es ist keine Zeit mehr, Milo. Die ersten Kinder waren schon auf der Nachbarwiese und haben ihre Eier gefunden. Du hast verschlafen!”
Erschrocken sprang Milo direkt aus dem Nest. Das konnte nicht wahr sein. Er konnte doch nicht einfach das Osterfest verschlafen haben. „Warum hast du mich denn nicht schon viel früher geweckt?“ Panisch lief er in der Höhle hin und her und suchte die Sachen zusammen, die er brauchte. 
„Das habe ich ja versucht, aber du hast geschnarcht wie ein Bär im Winterschlaf und dich einfach nicht wecken lassen“, versuchte sich seine Mutter zu verteidigen. Milo schnaubte nur und stürmte aus der Höhle. Nur um bereits zwei Sekunden später auf einen Widerstand zu stoßen.
„Hoppla, kleiner Wirbelwind. Wohin so eilig?“, hörte er die Stimme seines Vaters, während er Milo mit einer Pfote in den Nacken griff und ihn etwas hochhob. 
„Lass mich los! Ich muss die Eier verstecken! Die Kinder finden sie doch sonst nicht!“, erwiderte er und strampelte wild mit den Beinen. Einen Moment lang sah Milos Vater ihn lediglich an, bevor sich dieser Ausdruck auf sein Gesicht schlich, bei dem Milo nie wusste, ob Milo gerade etwas angestellt hatte oder nicht. Anstatt etwas zu erwidern, ließ sein Vater ihn allerdings einfach wieder runter und trat an die Seite. Er wusste natürlich, warum es Milo so wichtig war, die Eier heute zu verstecken. In die Fußstapfen seines Bruders zu treten, bedeutete Milo alles und auch, wenn sein Vater es jetzt nicht aussprach, war er auch stolz auf Milo. Kurz sah Milo zu seinem Vater auf, bevor er aus der Höhle hoppelte. In einem kleinen Körbchen, das er sich einfach um den Hals geschlungen hatte, lagen die Eier – und auch ein paar Süßigkeiten, die er verstecken wollte. Und auch musste. 

Die Wiese lag noch ein wenig im Dunst, als er sie erreichte. Die Sonne stahl sich langsam hinter den Häusern hervor und entfernt konnte Milo noch ein paar Kinderstimmen hören. Er schlich sich durch die hohen Grashalme und schrie doch automatisch auf, als er auch diesmal auf einen Widerstand prallte, wenngleich diesmal auch kleiner. „Vorsicht Langohr, pass doch auf!“, fiepste es unmittelbar vor ihm. Milo schnaubte. 
„Geh aus dem Weg, ich habe es eilig!“, fauchte er und musterte das Tier vor sich etwas. Ein kleines Eichhörnchen mit buschigem Schwanz, der fast größer war als es selbst. 
„Wohin willst du? Und was hast du da in deinem Korb?“, hakte das braune Tier nach und trat einen Schritt näher. Unbewusst wich Milo einen Schritt zurück. 
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht, du neugieriges Ding!“, fauchte er zurück und drehte sich wieder um die eigene Achse.
„Ich bin nicht neugierig, aber ich habe gesehen, wie du fast über deine eigenen Ohren gestolpert bist. Die anderen Hasen sind schon längst hier vorbeigekommen. Du bist spät dran“, entgegnete das Eichhörnchen und ließ die Nuss fallen, die es bislang mit den Pfoten festgehalten hatte. „Ich bin übrigens Luki und ich kann dir helfen. Ich kenne jeden Baum und jedes Astloch auf dieser Wiese. Ich kann dir Verstecke zeigen, die du hier auf dem Boden niemals entdecken würdest“, fuhr das Tier fort und hopste Milo langsam hinterher, nachdem sich das Langohr wieder in Bewegung gesetzt hatte. 
„Klar, und dann isst du ein paar der Eier auf, weil du sie für Nüsse hälst“, erwiderte Milo und hoppelte ein paar Schritte weiter durch das hohe Gras. 
„Ich mag Schokolade nicht mal. Sie ist viel zu süß und für mich viel schwerer zu verdauen, als ein paar Nüsse oder Eicheln“, protestierte Luki und folgte Milo. „Aber ich mag es, zu beobachten, wie die Kinder flink durch den Garten huschen und nach den Eiern oder anderen Kleinigkeiten suchen. Dann sehen sie manchmal selbst aus wie kleine Eichhörnchen“, kicherte Luki, wodurch Milo doch wieder stehen blieb und sich zu seinem neuen Begleiter umdrehte. Er starrte das Eichhörnchen lange an, dann jedoch seufzte er genervt und nickte knapp. 
„Na gut. Aber nur, weil ich wirklich keine Zeit mehr habe und helfende Hände dringend gebrauchen könnte. Aber wehe, du machst auch nur ein Ei kaputt, dann jage ich dich nicht nur über die ganze Wiese, sondern beiße dir auch den Schwanz ab“, drohte er, auch wenn er zu solchen Mitteln niemals greifen würde. Luki grinste breit und entblößte seine kleinen Nagezähne. „Geht klar, Boss.“ 
„Du hörst genau zu, wo ich die Eier haben will und es gibt keine Alleingänge. Ist das klar?“, schob Milo hinterher, woraufhin Luki erneut nickte. „Aber Vorschläge für ein paar höhere und vielleicht bessere Verstecke darf ich dir machen?“ 
„Ja, sobald wir meine Plätze abgeklappert haben“, entgegnete Milo und sah zu, wie Luki ein paar der Eier und Süßigkeiten zwischen seine kleinen Pfoten nahm. Noch bevor Milo ihm sagen konnte, dass er vorsichtig sein sollte, flitzt das kleine Pelztier davon. Schneller, als Milo es erwartet hatte. Er drehte sich einmal um die eigene Achse und tat endlich das, wozu er auserkoren war: Er verteilte als Osterhase die Eier im Gras und hinter Steinen. Mit Lukis Hilfe platzierte er sogar ein paar der Sachen in den Astgabeln der umliegenden Bäume oder auf einem kleinen Mauervorsprung. Die Minuten vergingen und obwohl es anstrengend war, waren sie  auch erfolgreich. Während er mit Luki über die Wiese lief, konnte er auf einer der Nachbarwiesen einen der anderen Hasen entdecken. Sie waren alle im Dorf verteilt. Jeder von ihnen hatte seinen eigenen Platz zugeteilt bekommen. 
Binnen kürzester Zeit hatte er sein Körbchen geleert und ließ sich selbst erschöpft ins hohe Gras fallen. Er streckte alle vier Pfoten von sich und atmete tief durch. Luki sprang neben ihn auf einen flachen Stein und putzte sich den Schwanz. Im Gegensatz zu Milo schien er nicht einmal aus der Puste zu sein. 
„Na? Nicht schlecht für einen Nussdieb, oder?“, hakte Luki nach und Milo sah kurz zu ihm herüber. Immer noch ein wenig mürrisch, aber einen bissigen Kommentar brachte er trotzdem nicht über die Lippen. Immerhin hatte Luki ihm wirklich geholfen. 
„.. ja, war gar nicht so übel“, murmelte er schließlich. „Für das erste Mal.“ 
Luki gab einen Laut vor sich, der eine Mischung aus Kichern und Wohlgefallen war. „Dann bis zum nächsten Osterfest, Langohr! Vielleicht bist du nächstes Jahr ja sogar pünktlich.“ Noch bevor Milo antworten konnte, flitzte Luki davon und schoss an einem der umstehenden Bäume empor. Milo blieb noch einen Moment lang liegen, bevor er sich langsam wieder aufrappelte. Er ließ den Blick über die Wiese und die umliegenden Häuser schweifen und konnte im selben Moment die Stimme eines kleinen Mädchens hören. „Schau mal, Mama! Hier sind noch mehr Eier und hier ist auch ein neues Kleid für meine Püppi!“
Die Worte des Kindes waren Milos Stichwort. Er erhob sich, stülpte sich den Korb wieder über den Kopf und hoppelte über die Wiese davon. Auch, wenn nicht alles reibungslos verlaufen war, so war doch das Wichtigste, dass er seine Aufgabe erledigt hatte. Insgeheim hoffte er, dass sein Bruder Maro ihn vielleicht gesehen hatte und stolz darauf war, dass er alle Eier und Süßigkeiten doch noch verteilt hatte. Mit ein wenig Hilfe von Luki, das musste er zugeben. Und insgeheim hoffte er vielleicht sogar, das freche Eichhörnchen schon bald wiedersehen zu können. Denn einen Freund konnte auch er sehr gut gebrauchen. Nicht nur als Helfer zum Osterfest, sondern für immer. 





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