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[Rezension] Und morgen seid ihr tot

Titel: Und morgen seid ihr tot
Autor: Daniela Widmer & Daniel Och

259 Tage als Geiseln der Taliban
320 Seiten Erstmals im Taschenbuch
Erscheinungstag: 16.01.2015
ISBN 978-3-8321-6304-4

Inhalt: "Es sollte eine Reise entlang der Seidenstraße werden. Sie endete in der Gewalt pakistanischer Taliban. Achteinhalb Monate lang lebte ein Schweizer Paar in Todesangst. Nun erzählen sie ihre eindrucksvolle Geschichte. Sie führt in eine Region, von der zwar in den Medien viel die Rede ist, die aber kaum einer kennt: ins pakistanische Waziristan, nahe der Grenze zu Afghanistan, ins Stammland der Taliban.
Am 1. Juli 2011 beginnt der Albtraum. Daniela Widmer und David Och werden in Belutschistan (Pakistan) von einem bewaffneten Kommando aus ihrem Reisebus gezerrt und 500 Kilometer Richtung Norden verschleppt. Die »Gotteskrieger« wollen Lösegeld für sie kassieren.
Im Laufe der Monate wird die Situation immer auswegloser. Als sich in den Wintermonaten auch die letzte Hoffnung auf einen Erfolg der Verhandlungen zerschlägt und die Bewachung immer nachlässiger wird, treffen David und Daniela eine mutige Entscheidung.
Am 15. März 2012 gelingt die spektakuläre Flucht. Zurück in die Schweiz. Doch gibt es das noch: ihr altes Leben?" Quelle: Taliban

Erstmal gilt mein Dank wieder dem Du - Mont Verlag, dass sie mir das Rezensionsexemplar haben zukommen lassen. Es lag eines guten Tages in meinem Briefkasten und allein schon der Titel hat mir gesagt, dass es keine einfache Kost werden wird, dass es mich noch Tage nach dem Beenden beschäftigen wird.
Ich habe auch lang darüber nachgedacht, wie ich die Rezension am besten beginnen und vor allem enden lassen soll und ich hoffe, dass es mir einigermaßen gut gelungen ist.


Daniela und David befinden sich gerade auf einer Reise durch Pakistan und sind eigentlich schon voller Vorfreude darauf, in drei Wochen in ihr Heimatland Schweiz zurückzukehren, als das schier unfassbare passiert: Sie werden von pakistanischen Taliban entführt und fürchten von nun an um ihr Leben.
Kilometerweit werden sie in Richtung Norden versteckt, von einem Ort zum anderen bugsiert, ohne zu wissen, wie lange sie noch leben werden. Als erste Lösegeldforderungen scheitern und auch nach langen kräftezehrenden Wintermonaten noch immer keine Einigung erzielt werden kann, wagen Daniela und David das für sie einzig Richtige: Sie fliehen.
Doch was erwartet sie nach der Flucht? Schaffen sie es überhaupt den Taliban zu entkommen? Und wie soll das Leben in der Schweiz nach diesen Ereignissen überhaupt weitergehen?

Vornewege muss man gleich erwähnen, dass es sich bei diesem Buch um eine Art Sachbuch handelt, um eine wahre Begebenheit. Die beiden Autoren erzählen ihre eigene Geschichte, sprechen über ihre eigenen Erfahrungen.
Vielleicht mag der eine oder andere, gerade anhand der damalig erfolgten Medienberichterstattungen denken, dass die beiden äußerst leichtsinnig gehandelt haben, indem sie sich in das Land gewagt haben, in welchem die Taliban "regieren", aber ich glaube, dass die ganze Reise geplant und wohl durchdacht war, was man eigentlich auch deutlich an den Tagen und Wochen vor der Entführung merkt.

Während der Reise hat Daniela in einem Tagebuch alles aufgeschrieben, was bleibende Eindrücke bei ihr und auch bei David hinterlassen hat und genau das hat sie auch während der Entführung, während der Wochen in Gefangenschaft nicht aufgegeben.
Alleine vermutlich schon aus dem Grund, nicht völlig verrückt zu werden, einfach um eine Art Ventil zu haben, wo sie alles loslassen kann, was sie bedrückt, wenn sie gerade nicht mit ihrem Partner darüber reden konnte.
In diesem Buch hat sie auch einige Zeichnungen beigefügt, welche sich auch im Buch selbst wiederfinden, was ich persönlich toll fand, um mir quasi selbst ein Bild davon machen zu können.

Obwohl die Situation schier ausweglos erschien, hat das Paar oft genug versucht, das Positive in der Zukunft herauszufiltern, sich selbst etwas aufzumuntern und sei es nur dadurch gewesen, in dem sie den Entführern Spitznamen gegeben haben.
Gerade diese - nennen wir sie Eigenart - hat mich oftmals zum Schmunzeln gebracht, obwohl ich es eigentlich gar nicht richtig wollte.

Durch die Erzählungen Danielas hat man als Leser auch einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie gut wir es hier in Deutschland eigentlich haben. In den Teilen Pakistans, in welche Daniela und David verschleppt wurden, gelten oft katastrophale Zustände: Kein Strom, keine Bildungsmassnahmen, dazu der ganze Gefechtslärm, welcher fast täglich zu hören ist, hygienische Missstände, wie wir sie uns hier vermutlich kaum vorstellen können.

Während des Lesen hat man als Leser auch zusätzlich deutlich gespürt, dass Daniela und David durch diese Entführung noch weiter zusammenwachsen, als das sie das vorher schon waren.
Tagelanger Schlafmangel, Ungewissheit und die bereits oben erwähnten Punkte, dazu Durchfall und Flohbefall zerren an den Kräften der beiden Schweizer, welche jedoch mit der Planung ihrer Flucht über sich hinauswachsen, nochmal alle ihre Kräfte mobilisieren, um wieder nach Hause zu gelangen.


"Und morgen seid ihr tot", war ein Buch, welches mich sehr.. nachdenklich hinterlassen hat. Einerseits war es ein guter - nennen wir es Einblick - in dessen, was wir hier vermutlich gar nicht so mitkriegen, aber auf der anderen Seite hat es auch noch einige Fragen offen gelassen.
Wie ist es dem Paar nach ihrer Flucht ergangen? Sind sie noch ein Paar? Beeinträchtigen Sie die gesammelten Eindrücke noch immer, dass es schwer fällt, jemals wieder ein normales Leben zu führen?
Sind überhaupt jemals Lösegelder geflossen oder gab es nie eine Lösegeldforderung in Richtung Schweiz?
Trotz dieser offenen Fragen möchte ich das Buch jedem ans Herz legen, der Danielas und Davids Leidensweg verfolgen möchte, jedem, dem bewusst ist oder bewusst werden kann, dass solch eine Entführung in einem völlig fremden kann, jeden treffen kann - gerade in der heutigen Zeit.

Melanie

Kommentare

  1. Hi,
    eine schöne Rezi und ein guter Einblick in das Buch. Das Thema ist ja recht aktuell!

    Liebe Grüße
    Jessi

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