Das kleine Grumpelchen brauchte nach den letzten vier Interviews schon wieder eine kleine Pause. Es ist und bleibt eben doch etwas schüchtern.
Und muss ab und an alleine vor sich hingrummeln. Aber heute ist es wieder da und hat sich eine weitere Autorin in seinen Schrank eingeladen.
Sabrina Jordak hat ihm Rede und Antwort gestanden und die beiden haben bei Kaffee und Keksen allerhand zu besprechen.
Hallöchen und willkommen in meinem Schrank! Nett hier, oder?
Ich bin das Grumpelchen und wohne hier.
Um dich und deine Geschichte ein bisschen besser kennenzulernen, habe ich mir ein paar Fragen überlegt. Hier gilt, alles kann und nichts muss. Wenn du eine Frage nicht beantworten möchtest, überspring sie einfach.
Ich verspreche auch nicht zu grummelig zu sein.
Stell dich doch am besten erst einmal ein bisschen besser vor, damit meine Follower auch wissen, wen ich hier überhaupt in meinen Schrank entfüh…. äh, eingeladen habe?

Hallo aus dem Schrank! Ich bin Sabrina, 37 Jahre alt, gebürtige Österreicherin und inzwischen in Luzern zu Hause. Und ich schreibe. Meistens Romane, inzwischen aber auch ziemlich gern Kurzgeschichten.
Dabei lande ich erstaunlich oft zwischen zwei Welten: zwischen dem, was war, und dem, was hätte sein können. Genau dort fühle ich mich am wohlsten beim Schreiben.
Lange habe ich versucht, alleine den Schreibprozess zu verstehen: Ich hatte tausend Fragen und auf die meisten erst einmal keine Antwort. Also habe ich angefangen, sie mir selbst zu suchen: Dinge auszuprobieren, wieder zu verwerfen, neu anzusetzen und mir nach
und nach ein System zu bauen, das mir beim Schreiben tatsächlich hilft. Daraus sind das STORYBOOK, Teil 1 und Teil 2, entstanden – zwei Workbooks für alle, die ihr eigenes Buch schreiben möchten und sich fragen: Wo fange ich eigentlich an? Und: Wie bringe ich es
auch wirklich zu Ende?
Und aus diesem Gedanken ist auch storify.ing entstanden. Dort nehme ich dich mit in meinen Alltag als Autorin, teile, was beim Schreiben wirklich passiert, und spreche über die Dinge, über die zwischen Plot, Kaffee und 37 offenen Dokumenten erstaunlich selten jemand spricht.1. Wie lange schreibst du schon und wer oder was hat dich dazu animiert?
Angefangen hat es in der Schulzeit mit kleinen Geschichten für meine Schwester. Ich habe
sie darin ein bisschen aufgezogen und mir ausgedacht, was ihr in meinen Stories alles
passieren könnte. Nichts Dramatisches – zum Beispiel, dass sie plötzlich ihre Haare knallrot
färbt, obwohl sie diese Farbe hasst. Die Geschichten waren kurz, ziemlich frech und
offenbar lustig genug, dass ich immer wieder neue geschrieben habe.
Damals habe ich vermutlich noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich eigentlich
schon Geschichten erzähle. Ich wusste nur: Ich hatte Spaß daran, mir Dinge auszudenken
und sie aufzuschreiben.
Richtig ernst mit dem Schreiben wurde es dann mit sechzehn. Daran ist mein Opa Karl
„schuld“. Er war Schriftsteller in Wien und hat mir etwas gezeigt, das für mich bis heute
geblieben ist: Geschichten entstehen nicht nur irgendwo in Büchern. Sie können auch
einfach am eigenen Schreibtisch anfangen.
Für mich war er deshalb nie nur jemand, der von Beruf Schriftsteller war. Er war der Beweis,
dass man sich hinsetzen, sich eine Geschichte ausdenken und sie tatsächlich zu Papier
bringen kann.
Mein Opa ist leider schon lange verstorben. Wenn ich über Wien schreibe, denke ich
trotzdem oft an ihn. Und dann fühlt es sich für einen kurzen Moment so an, als würde er
noch irgendwo am Tisch sitzen und mitlesen.2. Wie läuft so ein Schreibtag bei dir ab? Brauchst du dafür völlige Ruhe oder hast du
Musik im Hintergrund laufen? Machst du dir vorher Notizen zu den jeweiligen
Kapiteln? Hast du ein bestimmtes Ritual, was das Schreiben an sich angeht?
Grummelst du dabei auch ab und an vor dich hin, wie so ein Grumpeltier das tut?
Ein „Tag“ ist es bei mir leider schon lange nicht mehr. Seit meine Tochter auf der Welt ist,
bleiben mir zum Schreiben vor allem ihre Naps. Und die Nächte.
Das klingt romantischer, als es ist. Meistens bedeutet es: Der Laptop steht schon offen auf
meinem Schreibtisch am Fenster, damit ich in dem Moment loslegen kann, in dem sie
einschläft. Ankommen, Kaffee trinken, kurz aus dem Fenster schauen und überlegen, was
heute so geht? Dafür ist keine Zeit. Ich habe manchmal nur 28 Minuten.
Aus meiner früheren festen Schreibroutine ist deshalb ziemlich kompromissloses
Fokus-Schreiben geworden. Ich weiß, was ich schreiben will, und sobald es ruhig ist, lege
ich los.
Was bei fast jeder Schreibsession dazugehört:
● Mein Chaos: Neben dem Laptop liegen meistens Notizzettel, das Handy, eine halb
leere Kaffeetasse und irgendwelche Gedanken, die ich schnell auf Post-its gekritzelt
habe. Ordnung kommt später. Vielleicht.
● Musik: Ja. Und zwar meine Playlist von 2020. Ich habe es mehrfach versucht, aber
ich kann mich einfach nicht von ihr trennen.
● Notizen vorab: Der Plot steht bei mir, bevor ich anfange. Die eigentliche Geschichte
entsteht trotzdem erst beim Schreiben. Meine Figuren halten sich erstaunlich selten
an meine Pläne und überraschen mich regelmäßig.
● Mein Ritual: Kaffee. Immer. Die Playlist je nach Stimmung. Und wenn ich die Wahl
habe, schreibe ich am liebsten am Fensterplatz in einem Café und beobachte
zwischendurch die Menschen draußen. Die beste Inspiration sitzt schließlich selten
im Notizbuch.
Und ja, ich grummle. Vor allem bei Szenen, die in meinem Kopf wunderbar funktionieren und
auf dem Papier plötzlich überhaupt nicht mehr.
Nachts grummle ich besonders viel. Die späten Stunden sind nämlich so gar nicht meine
besten Schreibstunden. Trotzdem sitze ich da. Jedes Mal. Weil die Story sonst nicht
geschrieben wird.3. Woher hast du die Inspiration für deine Geschichte genommen, die in der
Anthologie veröffentlicht werden wird?
„24 Minuten vor Weihnachten“ spielt im Wien von 1947. Eine Stadt in Trümmern, kurz vor
Heiligabend.
Die Geschichte Wiens hat mich schon immer fasziniert. Ich war sogar selbst einmal
unterhalb der Stadt unterwegs – ganz legal natürlich. ;) Und irgendwann habe ich mich
gefragt, wie es wohl gewesen sein muss, sich dort unten kurz nach dem Krieg zu bewegen.
Gretl und Franz wissen das ziemlich genau. Bei ihnen war der Besuch unter der Erde
allerdings deutlich weniger legal. ;)
Dann war da diese eine Frage, die ich nicht mehr losgeworden bin: Wie feiert man
Weihnachten, wenn eigentlich nichts mehr da ist? Kein richtiges Zuhause, kaum Essen,
keine Sicherheit. Wenn alles, was früher selbstverständlich war, plötzlich fehlt - was bleibt
dann eigentlich noch von Weihnachten?
Für mich war die Antwort schnell gefunden: Hoffnung.
Und genau darum geht es in „24 Minuten vor Weihnachten“. Um zwei Menschen in einer
Stadt, die noch lange nicht wieder ganz ist. Und um einen kleinen Moment, der ihnen zeigt,
dass selbst zwischen Trümmern Hoffnung entstehen kann.
Ein kleiner Stern der Hoffnung.4. Wie lange hast du für das Schreiben deiner Kurzgeschichte gebraucht?
Puh. Ich arbeite eigentlich immer in den üblichen drei Etappen: Planung, Schreiben,
Überarbeiten.
Die Planung hat diesmal am längsten gedauert. Dafür ging das Schreiben danach
erstaunlich schnell. Auch beim Überarbeiten war ich ziemlich flott. Insgesamt hat mich die
Geschichte einige Wochen begleitet.
Und ich glaube, genau dieses Tempo hat sie gebraucht. Bei manchen Texten ringt man um
jeden Satz. Diese Story wollte einfach raus.
Was ich jetzt am meisten vermisse? Gretl und Franz.
Die beiden bei ihrem Abenteuer unter den Straßen Wiens zu begleiten, war für mich das
Schönste an diesem ganzen Projekt. Als die Geschichte fertig war, musste ich mich
tatsächlich ein bisschen von ihnen verabschieden.5. Hast du einen Lieblingssautoren oder eine Autorin, von der du einfach alles im
Regal haben und lesen musst? Jemanden, der als dein Vorbild eine große Rolle
spielt?
Ich lese ziemlich querbeet und habe deshalb keinen Lieblingsautor und keine
Lieblingsautorin, von der ich unbedingt alles lesen muss.
Was mein Vorbild betrifft, gibt es allerdings tatsächlich eines, auch wenn das vielleicht ein
bisschen seltsam klingt: die Bestsellerautorin, die ich selbst einmal sein werde.
Ich weiß ziemlich genau, wie ihr Leben aussieht. Ich visualisiere sie regelmäßig und habe
ein sehr klares Bild davon, wo ich hinwill. Das klingt vielleicht ein bisschen verrückt, aber für
mich funktioniert es.
Von anderen Autor:innen lasse ich mich vor allem davon inspirieren, wie sie dorthin
gekommen sind. Stichwort: Mindset.
Denn beim Schreiben ist die eigene Haltung mindestens genauso wichtig wie das
Handwerk. Vielleicht sogar noch ein bisschen wichtiger.6. Wenn du nicht gerade schreibst, womit verbringst du deine Nachmittage? Hast du
ein Hobby, welches dir neben dem Schreiben sehr am Herzen liegt?
Meine Tage gehören zum Großteil meiner kleinen Tochter. Und das ist auch genau richtig so.
Wenn sie schläft, schreibe ich oder programmiere an meiner eigenen App. Ganz allein. Vor
zwei Jahren hätte ich wahrscheinlich gelacht, wenn mir jemand erzählt hätte, dass ich
irgendwann selbst eine App entwickeln würde. Heute freue ich mich umso mehr auf den
Moment, an dem ich sie euch zeigen kann.
Und wenn ich gerade weder mit meiner Tochter, einem Manuskript noch mit der App
beschäftigt bin, findet man mich ziemlich zuverlässig in den Bergen oder am
Vierwaldstättersee.
Dorthin gehe ich übrigens nicht nur zum Abschalten. Ich gehe auch hin, um mich inspirieren
zu lassen. Berge, See, Gedanken im Kopf - meine perfekte Kombi.7. Wie holst du dich am besten wieder aus einem Kreatief und was rätst du anderen,
die sich manchmal darin befinden?
Ich versuche gar nicht mehr, dagegen anzukämpfen. Meistens fehlt mir da einfach Input.
Also lese ich, gehe raus, treffe Menschen. Mein kreativer Tank füllt sich schließlich selten am
Schreibtisch.
Dann schreibe ich weiter. Auch die ganz miesen Sätze. Die kann man später ohnehin
überarbeiten. Leere Seiten sind da deutlich hartnäckiger. ;)
Mein Rat: Nimm den Druck raus, aber bleib in Bewegung. Ein Kreativtief bedeutet nicht,
dass dein Buch nicht funktioniert. Dein Kopf braucht zwischendurch auch einfach einmal
neues Futter, bevor wieder etwas daraus entsteht.
Kreativität braucht Raum. Und ganz oft auch ein bisschen Abstand vom eigenen
Schreibtisch.8. Und als letzte Frage: Ist deine Kurzgeschichte deine erste Veröffentlichung oder
hast du bereits Erfahrungen sammeln können?
Die erste Veröffentlichung ist es nicht - zwei Bücher habe ich bereits im Self-Publishing
herausgebracht. Eine Anthologie ist für mich allerdings etwas Neues und deshalb etwas
ganz Besonderes.
Im Verlag habe ich bisher noch nichts veröffentlicht. Aber der Weg dorthin ist noch lange
nicht zu Ende. Auf storify.ing nehme ich meine Community mit auf diese Reise – inklusive
meiner ganz persönlichen Absagen-Challenge. Denn Absagen gehören zu diesem Weg
dazu. Und ich finde, darüber sollte viel öfter offen gesprochen werden.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Kommentare sind immer gerne gesehen, aber bitte angemessen. Sie müssen ausserdem von mir erst freigeschaltet werden, bevor sie sichtbar werden.
Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung der Daten gemäß des DSGVO einverstanden.
Ein Widerspruch gegen die Verarbeitung ist möglich.