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[ Rezension ] Markus Thiele - Die Sieben Schalen des Zorns

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar und liegt schon viel zu lange auf meinem SuR - dem Sub ungeschriebener Rezensionen.
Ich habe es schon vor einiger Zeit gelesen und diese Rezension doch ein wenig vor mich hergeschoben. Aus mehreren Gründen.
Wie so einige andere auch, daher wird es Zeit, dass ich meinen SuR endlich einmal abarbeite.
Als ich die Anfrage bekommen habe, ob ich dieses Buch lesen möchte, habe ich nicht lange gezögert. Erstens, weil es sich bei dem Buch um einen Thriller handelt und zweitens, weil der Autor bei mir aus der Nähe kommt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Benevento; 1. Edition (14. April 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3710901316
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710901317

    Mehr Informationen gibt es hier: Markus Thiele



Dr. Max Keller ist Arzt mit Leib und Seele. Er liebt seine Arbeit und kann sich nichts anderes vorstellen, als Menschen zu helfen, ihnen beizustehen oder ihre Schmerzen zu lindern.
Als seine todkranke Tante Maria ihn jedoch darum bittet, ihr dabei zu helfen, ihr Leid zu beenden, gerät Max in einen Gewissenskonflikt.
Als Arzt fühlt er sich dazu verpflichtet, das Leben Marias aufrecht zu erhalten. Als Angehöriger jedoch will er sie von ihrem Leid erlösen.
Er entscheidet sich für die Sterbehilfe und schon kurz nach Marias Tod wird gegen ihn ein Verfahren eröffnet. Strafbare Tötung auf Verlangen lautet der Vorwurf, der Max nicht nur seine Arztzulassung kosten, sondern ihn auch ins Gefängnis bringen könnte.
Aber hat Max seine Tante wirklich getötet oder ist doch alles gar nicht so, wie es ihm die Staatsanwaltschaft zur Last legt?


Ich muss gestehen, dass ich dem Inhalt des Buches mit gemischen Gefühlen gegenüber gestanden habe und es auch noch immer tue. Sterbehilfe ist ein Thema, das gerne unter den Tisch gekehrt wird. Moralisch nicht vertretbar. Ein Thema, über das man selten spricht, aber über das so mancher von uns mit Sicherheit schon nachgedacht hat.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der es bereit in sich hat. Er regt zum Nachdenken an und lässt den Leser damit auch nach dem Lesen nicht sonderlich los.
Mit Sprüngen in die Vergangenheit, die Max und seine Jugendzeit betreffen hat der Autor zudem ein Wollknäul gesponnen, dass es zu entwirren gilt.
Durch mehrere Perspektiven gelingt es dem Autor einen Zusammenhang zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schreiben, der dem Leser erst nach und nach ein Gesamtkonzept ermöglicht.
Immer dann, wenn ich dachte, ich habe mich in der Geschichte zurecht gefunden und Hintergründe erfragen oder erahnen können, hat Markus Thile einen neuen Faden gesponnen, der alles wieder zunichte gemacht hat.

Durch das von ihm gewählte Thema hat er die moralische Seite in mir in Frage gestellt und ich habe mich nicht nur einmal gefragt, wie ich entscheiden würde.
Es gibt einene Aspekt in meinem engeren Familienkreis, der ähnlich ist und bei dem ich meine moralischen Aspekte auch in Frage stellen muss, aber das möchte ich hier nicht weiter erläutern.
Jedenfalls hat mich der Roman des Autors sehr beeindruckt und Markus Thiele hat es geschafft, dass die Handlung auch jetzt noch in mir nachhallt.
Juristische Fakten, Realität und Fiktion. Markus Thiele hat es geschafft, alles in einem Buch zu vereinen und dabei auch an die eigenen Moralvorstellungen appelliert.

Das Buch hat dafür gesorgt, dass ich mich im Nachhinein nicht klar positionieren kann und auch nicht will, aber es hat zum Nachdenken angeregt. Dem Autor ist es gelungen, dass ich mich auf Gedankengänge eingelassen habe, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe einiges wieder verworfen oder neu überdacht.

Für mich ein gelunger Roman, der nicht nur das Thema Sterbehilfe aufgreift und die eigene Moral hinterfragt, sondern sich noch mit viel mehr Thematik beschäftigt, über die nicht nur längst nachgedacht wird, sondern auch noch viel mehr nachgedacht werden müsste:
Psychologische Entwicklung nach einem Traum, Schwangerschaftsabbrüche und Alkoholsucht. Um die Entscheidung um Leben und Tod. Um die Frage nach dem richten Umgang mit Leben und Tod und dem Wunsch eines Menschen, ihm letzteres zu ermöglichen.
Wie würdest du entscheiden?

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